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K U N S T R A U M

Ausstellungen

Jo Siamon Salich

Schöpfung – Reanimation
Juni – August 2014

Wolfgang Bosse:
Jo Siamon Salich – noch einmal Schöpfung
Vor genau 25 Jahren lernte ich den Künstler Jörg Sonntag im Leonhardi Museum Dresden kennen. Sonntag, damals Arbeitsgruppenleiter der Studiogalerie für Junge Kunst des Verbandes Bildender Künstler der DDR, Ortsverband Dresden (man findet heute nix im Netz darüber – deshalb bleibt die Schreibweise ungewiss), plante schon im Sommer 1989 jene 24-Stunden-Environments verschiedener Künstlergruppen für den Herbst im Museum.

Ungeduld hatte die Künstler in der DDR ergriffen. Ein Jahr zuvor hatte es in Ost-Berlin bei der offiziellen Liebknecht-Luxemburg-Ehrung anlässlich deren Ermordung Proteste gegeben – gegen jenen eingefleischten und erstarrten Stil von Verehrung, der für die DDR typisch war und allenfalls für routinemäßige Machtrituale stand. Das Luxemburg-Zitat „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ bekam neue Brisanz. Michail Gorbatschows "Perestroika" sowie seine Worte, "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", saßen im Nacken. "A.R.Penck" war nach seiner Übersiedlung aus der DDR in den Westen sogleich wie selbstverständlich Kunst-Professor geworden, nachdem er in Dresden insgesamt vier Mal für nicht würdig befunden wurde, überhaupt ein Kunststudium zu beginnen...

Als die "Tage für Elba", so der romantische Titel der Performance-Woche im Leonhardi Museum, begannen, war ich erstaunt über die unglaubliche Gelassenheit des Akteurs Jörg Sonntag, fasziniert von der exakten Planung dieser gigantischen Installation, in welcher die eigentliche Performance stattfinden sollte. Das war auch nötig, denn, sollte alles gelingen, standen nur wenige Stunden Vorbereitung zur Verfügung.

Der gesamte Stil Jörg Sonntags unterschied sich von dem, was seine Generation damals und an jenem Ort bewegte, so schien es. Nicht ahnend, dass beispielsweise die Penck-Professur auch eine gelungene Polit-Marketing-Aktion – eingeschlossen profitabler Rendite – des Westens gegenüber dem Osten darstellte, hatte jene Generation eifrig versucht, sich dem Stil der "Jungen Wilden" ganz und gar auszuliefern. Eine "Angliederung" an die Kunst des Westens hatte also schon lange vor 89 stattgefunden! Ohne freilich deren kunsthistorische Spezifikation und Entstehung näher zu hinterfragen.

Eigenartiger Weise – erkundigt man sich heute bei Künstlern um die Dreißig nach der Wirkung des Schaffens von Jörg Sonntag auf sie – kommt sofort wieder ein Vergleich mit dem Namen "A.R.Penck" ins Spiel! Also passte sein Schaffen auch irgendwie in jene Zeit.
Ich habe den Künstler nie gefragt, was seine Runen ähnelnden Zeichen nun eigentlich bedeuten. Obgleich diese Frage damals wie heute als erste fällt. Oh ja, es gibt ein Alphabet – ich möchte es nicht kennen, käme ich mir doch vor, als würde ich in einem fremden Tagebuch stöbern. Im großen Saal des Leonhardi Museums damals, wie heute im 25 qm großen kunstraum schillerstraße, und sogar im virtuellen Raum seiner eigens für diese Ausstellung geschaffenen Computeranimation, treffe ich auf ein "großes Geheimnis", das Innere einer ägyptischen Pyramide – unverständlich und faszinierend! Wäre ich enttäuscht, könnte ich die Hieroglyphenschrift der Ägypter lesen? Sicher nicht – sie bliebe wahrscheinlich immer noch unverständlich.

Ebenfalls rätselhaft erschien mir die Performance, die mich allenfalls eine szenische Umsetzung des aristotelischen Kreises vermuten ließ. Jahre später las ich eine Anleitung über die Durchführung von "Hexen-Ritualen". Das Ziehen des "magischen Kreises" WAR die Performance, die ich gesehen hatte! Im Zuge der Ausstellungsvorbereitung im kunstraum schillerstraße danach befragt, schüttelt der Künstler lächelnd den Kopf. Es war weder das eine, noch das andere... Schöpfung!
Ich frage nicht weiter. Es war wiederum die Gelassenheit des Künstlers damals, die faszinierte als er die in den vier Raumecken aufgestellten Objekte, die als Symbole für die Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde standen, "einschaltete".
Und noch viel rätselhafter, der Abschluss der Performance! Sonntag, der sich heute Jo Siamon Salich nennt, übergießt sich im Zentrum des Raumes mit goldener Farbe, bleibt mit weit ausgestreckten Armen und Beinen liegen, wird heraus getragen. Ähnelt dem "Menschensohn", der sich als Schöpfer, Geist und Opfer zugleich ansieht... Jahre später berichtet der Künstler, wie fasziniert er selbst von den Mischformen christlicher und angestammt "heidnischer" Geist-Rituale der Indios während einer Südamerikareise war.

Im kunstraum schillerstraße gab es dieses Schauspiel nicht wieder zu sehen. Dafür aber etwas anderes, wofür der Künstler sich zu allererst noch einmal SELBST neu erschaffen musste! Ein Monitor zeigt ein eigenartiges "Trick-Video" (3-D-Animation genannt), welches in etwa die Performance von damals wiedergibt. Somit schließt Jo Siamon Salich, alias Jörg Sonntag, den Kreis zur rein persönlichen Gegenwart, in der neben der hoch ästhetischen handwerklich-grafischen Tätigkeit, das bewegte Bild durch Videokamera und Computer eine wichtige Rolle spielt. Jo Siamon Salich war in den letzten Jahren als Lehrer für Video und Schnitt wichtiger Anreger vieler junger Interessierter auf diesem Gebiet. Wie wichtig ihm das ist, zeigte die für Salich ganz untypische mehrfach wechselnde Auswahl eines Ortes zum Projizieren anderer Videoarbeiten am Tage der Eröffnung.

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Juni 2014


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